International Flower Bulb Centre - Flower Bulb Power Education
  Trends

Jede Zeit hat ihren eigenen Zeitgeist

Trends denkt man sich nicht aus, sie entstehen einfach als Folge von Entwicklungen in einer bestimmten Zeitspanne. Dabei spielen verschiedenste Einflüsse wie die Wirtschaft, Technologie, Politik, Kultur, Umwelt und soziale Entwicklungen eine Rolle. Diese Faktoren beeinflussen unser Verhalten und das, was wir als schön erfahren. So beeinflusst der Zeitgeist Produkte, die auf den Markt kommen und deren Präsentation.
In den Siebzigerjahren steht die Umwelt deutlich im Mittelpunkt des Interesses. Auch wir sind politisch sehr interessiert. In unserem Haus übertragen wir das in die Verwendung von nicht bearbeitetem Material, traditionellen Techniken und dunklen Farben. Blumensträuße und Gärten erinnern einen am meisten an einen Feldblumenstrauß. Die Devise lautet: Lass alles blühen und gedeihen. Die Achtzigerjahre stehen im Zeichen der liberalen Politik. Das äußere Erscheinungsbild und die Karriere stehen im Mittelpunkt. Die Einrichtung ist modern und sachlich gestaltet, enthält viele Designelemente. Blumensträuße und Gärten bekommen straffe Linien und gelten jetzt als Statussymbol. In den Neunzigerjahren nimmt das stressige Leben wieder ab. Familie und Freunde sind wieder wichtig, zu Hause ist es gemütlich. Komfort bestimmt die Einrichtung, natürliche Farben und Materialien sind in. Blumensträuße und Gärten haben eine ländliche Ausstrahlung und nostalgische Elemente bestimmen das Bild.

Und welche Trends gelten jetzt? Grobe Umrisse lassen sich bereits erkennen. Das Große, Massige weicht dem Individuellen, Persönlichen. Wir widmen uns besonderen Dingen, schätzen Handarbeit, kombinieren Alt mit Neu. Es braucht nicht mehr so perfekt zu sein. In der Mode bestimmt Vintage das Bild, also bereits getragene Kleidung. Beliebte Fernsehserien wie ‚Sex and the City’ geben den Ton an. Auch bei der Einrichtung bekommen alte Dinge einen neuen Zweck. Dieser Trend lässt sich ebenso in Gestecken und Gärten erkennen. Wir sehen jetzt einerseits viele dunkle Farben wie Schwarz, Bordeauxrot und Violett und andererseits auffallende Farben wie Rosa, Orange, Blau und Grün. Durch Design und Verwendung der Materialien betont man den einzigartigen Charakter der Blumen. Flower-Power, Yuppies, Cocooning …, welchen Begriff wird man sich für die Zeit ausdenken, in der wir jetzt leben?

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AAFJE NIJMAN

„Mit dem Zeitgeist spielen“

Wenn man Fotos aus den siebziger Jahren anschaut, fällt vieles auf. Die Kleidung war anders, die Frisuren scheinen uns heute lächerlich und wir waren mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Die Aussagen, Gefühle und Ereignisse bestimmen zusammen den Zeitgeist. Für einen Hersteller ist es praktisch, über den aktuellen Zeitgeist Bescheid zu wissen; er kann dann mit seinem Produkt darauf eingehen und die Verkaufschancen sind größer. Aafje Nijman, Beraterin für visuelles Marketing, ist Betrieben dabei behilflich.

Aafje Nijman studierte an der Academie voor Industriële Vormgeving, jetzt die Design Academy in Eindhoven. Danach war sie Praktikantin bei De Bock & Dekker, einem Beratungsbüro für visuelles Marketing. Nach ihrem Praktikum bekam sie eine Stelle. Der Umzug des Betriebs in eine andere Region war für sie der Anlass, sich mit einem eigenen Büro selbstständig zu machen. „Ich hatte inzwischen eine Familie und dabei ist die Fahrzeit nicht so praktisch.“ Also startete sie 2001 das Büro Aafje Nijman, mit Sitz in Utrecht. Dabei unterscheidet sie verschiedene Bereiche, von Einrichtung bis Blumen, Pflanzen und Gärten. Ihre Aktivitäten konzentrieren sich unter anderem auf Konzeptentwicklung, Sortimentsberatung und Trendentwicklung, sie gibt aber auch Workshops und hält Vorträge.

Gegensätze

Für jemanden, der sich nicht mit Trendentwicklung auskennt, stellt sich immer die Frage, wie Trends eigentlich zustande kommen. „Die Grundlage ist eine Analyse des Zeitgeists“, erzählt Aafje. „Wir befinden uns jetzt zum Beispiel in einem anderen Gemütszustand als vor fünf Jahren oder während der letzten fünf Jahre. Wir treffen andere Entscheidungen, finden andere Dinge wichtig. Um ein Bild über die Trends zu bekommen, muss man gut darauf achten, worüber Menschen sprechen, was im Fernsehen gezeigt wird, welche Formen dazu passen und dann kann man die großen Linien entdecken. So befinden wir uns jetzt in einer Zeit der Gegensätze; ein Produkt, das einen Gegensatz in sich trägt, finden wir zeitgenössisch. Denken Sie zum Beispiel an eine gesunde Tiefkühlmahlzeit für die Mikrowelle. Ferner sehen wir, dass sich das Miteinander verweiblicht. In den achtziger Jahren ähnelte die Frau dem Mann, mit breiten Schulterpolstern und strengen Anzügen. Jetzt verwenden Männer Make-up und Pflegeprodukte. Gleichzeitig ist der echte starke Mann im Kommen, auch das ist also eine Doppelung.“

Trends sind auch für den grünen Sektor wichtig, betont Aafje. „Natürlich muss ein Produkt selbst eine große Zielgruppe ansprechen können. Daneben ist aber vor allem die Art, mit der das Produkt auf dem Markt präsentiert wird, von Wichtigkeit. Der Ton, der Stil und die Stimmung, mit der es den Verbraucher anspricht, muss darauf eingehen, was er im Moment wichtig findet. Ein Produkt, das zum Zeitgeist passt, verkauft sich besser. So sind zur Zeit Wellness und Gesundheit wichtige Themen. Dann ist es vielleicht eine gute Idee, zu betonen, wie gesund es ist, Blumen und Pflanzen in einer Wohn- und Arbeitsumgebung zu haben. Mancher Unternehmer wird diese Idee bereits früher ausprobiert haben. „Damals hatte sie vielleicht keinen Erfolg, weil sie zum falschen Zeitpunkt kam. Es muss sich an den Zeitgeist anschließen.“

Puzzeln

Aafje bearbeitet ganz verschiedene Projekte. „Ich sammele zum Beispiel Trendinformationen für Firmen wie IBC, organisiere für Pflanzenanbieter Brainstorming-Sitzungen für neue Konzepte, unterstütze Gartencenterketten bei der Einführung eines Stilgruppendenkens, gebe Schulungen, halte Vorträge und Präsentationen. Ganz unterschiedlich.“ Aafje kann mit großer Begeisterung über ihre Arbeit sprechen. Was sie so begeistert: „Ich kann nicht aufhören, Schlussfolgerungen zu ziehen und Linien zu entdecken. Ich puzzele den ganzen Tag rum. Trendentwicklung ist eine Addition all dessen, was man sieht. Dies dann zu analysieren und die Kommunikation für erfolgversprechende Produkte zu leiten, finde ich wunderbar. Aafje ändert regelmäßig ihren eigenen Stil. „Ich bewundere eine Frau wie Madonna, die für jede Zeit einen eigenes Image entwickeln kann. Und jedes Mal ist es genau passend. Schön, es zu sehen.“


TINEKE GEERLINGS

„Genießen bis zum letzten Atemzug“

In ihrer Kindheit verdiente Tineke Geerlings mit Blumen pflücken und Zwiebeln schälen ihr erstes Taschengeld. Dann hatte sie vor, in der Krankenpflege zu arbeiten. Allerdings fiel sie beim Injizieren einer Orange in Ohnmacht. Also wechselte sie zur Gartenbauschule und lernte den Beruf der Floristin kennen. Damit hatte sie ihren Platz gefunden.

„Während meiner Lehre ging ich einen Tag pro Woche zur Schule und arbeitete den Rest der Woche in einem Blumenladen in Noordwijkerhout. Vom ersten Tag an, machte mir das einen Riesenspass; ich war immer wieder überrascht, was in meinen Händen entstehen konnte. Ich sah mich selber wachsen.“ Nach ihrer Ausbildung eröffnete sie mit nur 21 Jahren ihr eigenes Geschäft: “Tinekes Blumenladen”. „Später habe ich auch Aufträge für Blumendekorationen übernommen und der Laden war nur noch an drei Tagen pro Woche geöffnet. Seitdem ich Mutter bin, konzentriere ich mich vollständig auf Blumendekorationen und ist der Laden geschlossen.“ Unter dem Namen „Typisch Tien Bloemwerken” ist Tineke seit einigen Jahren tätig. „Ich habe verschiedene Aufträge, von Fernsehsendungen wie „Eigen Huis en Tuin” bis Vorführungen im Keukenhof oder der Gestaltung von Messeständen und Märkten, der Einrichtung von Häusern oder besondere Aufträge, wie die Dekoration einer Yacht.”

Nach allen Seiten offen

In den letzten Jahren ist Tineke im Auftrag des IBC auch für die sogenannten Stilräume auf dem Keukenhof tätig. „Dieses Jahr arbeiten wir mit Ikea zusammen, von denen wir Einrichtungen in verschiedenen Stilen bekommen. Dabei geht es um eine klassische, stimmungsvolle und moderne Einrichtung aber unter anderem auch um ein holländisches und ein schwedisches Zimmer. Linnaeus und Schweden sind 2007 das zentrale Thema auf dem Keukenhof.” Tineke zeigt mit ihren Blumendekorationen in den verschiedenen Einrichtungsstilen, dass eine Lilie nicht nur zu einer klassischen Einrichtung passt, sondern auch prima in ein modernes und stimmungsvolles Interieur eingefügt werden kann. „Man kann eigentlich nach allen Seiten offen sein, es kommt nur darauf an, wie das Arrangement gestaltet wird.“

Ihr Betrieb heißt nicht umsonst „Typisch Tien Bloemwerken“; Tineke hat einen komplett eigenen Stil entwickelt. „Ich suche immer nach neuen Anwendungen. Ich lasse der Blume ihren Wert, versuche aber trotzdem, dem Arrangement einen lustigen Dreh zu geben. Ich bin immer auf der Suche nach dem Wow-Effekt. Ich möchte mich selbst weiter überraschen, also entscheide ich mich niemals für den einfachsten Weg.“ Sie findet es schwierig, ihre Lieblingsblumenzwiebel zu nennen, denn: „Es gibt so viele. Ich mag die Fritillaria imperialis (“die Kaiserkrone”) aber auch Anemonen und Gloriosa. Es darf gern eine etwas verrückte Form sein. Eine Tulpe finde ich dann schön, wenn sie ihren eigenen Weg geht. Ich liebe vor allem eigenwillige Blumen.“ Durch ihre Arbeit für das IBC weiß Tineke Blumenzwiebeln stets mehr zu schätzen. „Ich merke, dass ich auch bei anderen Aufträgen immer öfter auf Blumenzwiebeln zurückgreife. Sie können einen echt berühren, etwas bei einem auslösen.“

Inspirieren

Tineke geht darum auch mit der nötigen Leidenschaft an ihre Arbeit. „Es beschäftigt mich und ist lehrsam. Blumen können Gefühle beeinflussen, man denkt weiter darüber nach und lässt sich inspirieren. Man denke nur an die verschiedenen Farben und Formen, das ist doch herrlich? Wenn ich an einem Feld mit blühenden Anemonen vorbeifahre, halte ich kurz an, um mich daran zu erfreuen. Das finde ich fabelhaft. Ich kann auch Blumen genießen, die kurz vor dem Verblühen stehen. Die Menschen werfen ihre Blumen viel zu schnell weg. Ein Strauß fast verblühter Tulpen, bei dem einige Blätter auf dem Tisch liegen, sieht für mich wunderschön aus. Er zeigt die Vergänglichkeit der Natur. Das kann ich bis zum letzten Atemzug genießen.“

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